Verkehrte Welt: Lehrer zittern vor Schüler-Zensuren
Internet-Portal sammelt möglichst faire Noten für die Notengeber
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| Offizielles Logo / spickmich.de |
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Köln
(pte/29.06.2007/13:30) -
Es geht auch umgekehrt: Fair und schonungslos erhalten mittlerweile Deutschlands Lehrer über das rasant wachsende Schülernetzwerk "spickmich.de" klassische Zensuren via Internet. Hinter dem frechen Online-Angebot http://www.spickmich.de stecken die drei Kölner Studenten Tino Keller, Manuel Weisbrod und Philipp Weidenhiller. Das Trio fragte sich, warum zwar ihre Professoren an der Uni regelmäßig ein Feedback über ihre Lehrleistungen einfordern, die Lehrer früher an der Schule darauf aber keinen erkennbaren Wert legten. Seit dem Frühjahr ist das Portal im Netz und bietet Schülerinnen und Schülern eine bequeme Möglichkeit, Pauker und Schule mit einer möglichst sachlichen Rückmeldung zu versorgen. Von der Resonanz sind die Verantwortlichen selbst überrascht: Mittlerweile sind über 100.000 Personen registriert, die rasant steigenden Zugriffszahlen zeugen von einem offenbar vorhandenen Bedarf nach Noten für die Notengeber.
Genau diese populäre Benotungsfunktion unter den Nutzern, die sich jeweils ein eigenes Profil anlegen und dadurch bundesweit austauschen können, beschäftigt mittlerweile schon die Justiz: So verhandelte das Kölner Landgericht vor kurzem eine einstweilige Verfügung, die eine - durch Kritik an ihrer Person - erboste Gymnasiallehrerin erwirkt hatte. Die zuständige Richterin gab aber den Betreibern der Seite in allen Punkten Recht und wird am 11. Juli voraussichtlich die Verfügung aufheben, da sich "auch Lehrer im Bereich der Berufsausübung öffentlicher Kritik stellen müssen". Daneben seien die angewandten Kategorien, u.a. "faire Noten", "guter Unterricht", "Motivation", "Cool und witzig" oder "sexy", keine Schmähkritiken oder Formalbeleidigungen und somit von der Meinungsfreiheit geschützt. "Wir waren von Anfang an sicher, dass wir nichts Verbotenes machen", sagt Tino Keller gegenüber pressetext, "auch die Schüler haben das Recht, ihre Meinung über die Leistungen und das Auftreten ihrer Lehrer frei zu äußern. Und das geschieht auf Spickmich in einem fairen Rahmen." Insgesamt sind bereits über 100.000 Lehrer im Votum berücksichtigt worden, die sich in den einzelnen Bundesländern vor den Sommerferien nun ebenfalls über ihr Zeugnis freuen oder ärgern dürfen. "Es ist wie bei den Schülern: Gute Lehrer bekommen gute Noten und schlechte Lehrer eben schlechte Noten", ergänzt Keller. Dabei liegt der Gesamtdurchschnitt bislang bei der soliden Note 2,8. "Die meisten Lehrer haben also eine Eins oder eine Zwei vor dem Komma - wenn das keine Motivation ist." Den Vorwurf, durch Beleidigungen oder unsachliche Kommentare eine Form von Lehrer-Mobbing zu ermöglichen, weisen die Kölner energisch zurück. "Man kann nur die gewohnten Noten 1 bis 6 abgeben. Darüber hinaus gibt es Regeln, die jede Form von Diffamierung verbieten." Auffällig sei jedoch, dass die lautesten Proteste gegen die Website hauptsächlich von Lehrern kommen, die überwiegend schlechte Noten erhielten. So würde sich Keller freuen, wenn sich die schulischen Kräfte mehr am Zitat aus einer Rede der nordrhein-westfälischen Schulministerin Barbara Sommer orientieren würden: "Wer prüft, muss auch bereit sein, sich prüfen zu lassen."
(Ende)
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